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Sauerstoffbedarf und -Deckung im Sommer in Gefahr?

Aktualisiert: vor 19 Stunden

In den Sommermonaten leiden viele Gewässer unter der anhaltenden Wärme. Viele Sonnenstunden, wenig Niederschlagseintrag und warme Luft bei wenig Luftbewegung fordern die Ökosysteme heraus.


Hecht und Krebs leben in Nachbarschaft im ruhigen, pflanzenreichen und schattigen Uferbereich eines Baggersees (Bild: Volker Hämmerling, dieangelschule)
Hecht und Krebs leben in Nachbarschaft im ruhigen, pflanzenreichen und schattigen Uferbereich eines Baggersees (Bild: Volker Hämmerling, dieangelschule)

Der durch uns Menschen verursachte Klimawandel bringt neue Wetterrekordwerte hervor, die wir als ausbleibenden Regen, heiße Tage und Trockenheit im Alltag registrieren. In den Messungen und Aufzeichnungen der Behören und führender Institutionen werden diese Anstiege seit Jahrzehnten dokumentiert und laufen leider von Jahr zu Jahr immer weiter nach Oben. Auf die Folgen des veränderten Klima werden wir uns einstellen müssen.


Anhaltende Hitze als Bedrohung für Flora und Fauna im Gewässer

Besonders für Gewässer ist das eine Belastung, da diese sich erst allmählich erwärmen und diese Energie dann über Wochen oder Monate speichern zum Leidwesen der Flora und Fauna unter Wasser. Mit zunehmender Temperatur nimmt die Fähigkeit des Wassers ab, den Sauerstoff als lebensnotwendiges Gas in sich zu lösen. Wir kennen es von kohlensäurehaltigen Getränken oder Mineralwasser, das enthaltene CO2-Gas entweicht um so mehr, je wärmer die Flüssigkeit wird oder ist. Der maximale Sauerstoffgehalt von Wasser ist unter reinen Versuchsbedingungen, also wissenschaftlich betrachtet, mit 14,4 mg pro Liter bei 1° Celsius möglich. Mit Temperaturzunahme sinkt der Gehalt an gelösten Sauerstoffgas (O2) ab, so das bei einer Wassertemperatur von 30° Celsius unter Laborbedingung nur noch etwa die Hälfte, also 7,4 mg pro Liter O2 möglich sind. Da unsere Gewässer viele weitere Dinge enthalten und messbare schädigende Parameter zum tragen kommen, liegt die tatsächliche Sauerstoffkonzentration in der Regel niedriger, weil es sich eben nicht um reines Wasser handelt wie wir es aus dem Alltag aus der Leitung kennen. Der für viele Fischarten kritische Grenzwerte von 4 mg O2 pro Liter und damit verbundener Sauerstoffmangel treten bei Temperaturen ab 20° Celsius Wassertemperatur vermehrt und immer häufiger in unseren Gewässern auf. Oft werden anhaltend und über Tage von 26° und mehr gemessen, eine extreme Situation für flache Gewässer in unseren Breitengraden.


Sommer gab es schon immer und Wetterschwankungen kennt auch die Natur. Viele heimische Tiere und ebenso unsere Fischarten sind für solche Hitzeperioden und niedrige Wasserstände unempflindlich, wenn die äußeren Rahmenbedingungen stimmen, und nicht zu lange anhalten. Unsere Fischarten haben ihre eigenen Strategien entwickelt und stellen sich darauf ein. Dazu gehören tiefere, kühle Gewässerstellen, in die sie sich zurückziehen können und Uferzonen mit einem dichten Bewuchs und erweiterte Schattenbereiche, zum Beispiel durch einen guten alten Baumbestand. Auch Fischschutzgebiete und Zonen, in denen weder geangelt oder sonstiger Wassersport betrieben wird, helfen der Natur sehr. Der Kreislauf und Stoffwechsel der Fische passt sich ebenso an. Um Energie einzusparen, bewegen sie sich weniger und fressen weniger, verlegen ihre Aktivität in die Nacht und frühen Morgenstunden.


Sind Pumpen zur Sauerstoffanreicherung sinnvoll?

Viele halten die Installation und Betrieb einer Umwälzanlage über Pumpen dann für eine alternative Lösung um über den technischen Weg Sauerstoff ins Wasser zu bringen.

Ein Stilgewässer umwälzen bedeutet nichts anderes als das bestehende Ökosystem zu (zer)stören.

Dort, wo aussreichend Licht ankommt, sind grüne Pflanzen vorhanden, auch wenn es viele Laien nicht sehen. In der Tiefe gibt es Sedimentschichten, die gehören einfach dazu und dort leben anerobe Bakterien, Algen, Pilze und auch Muscheln, Krebse, Weichtiere und Fische. Selbst in den Ozeanen in über 5000 Metern Tiefe herrscht das Leben, obwohl die Umwälzung dort nicht über Pumpen läuft.


Eine Belüftung kann installiert werden um das Wasser mit Sauerstoff anzureichern. Das sollte aber genau geprüft werden und niemals die lebensnotwendigen Wasserflächen weiträumig abdecken, indem man eine künstliche Insel ins Wasser bringt. Eine Umwälzung erhöht den freien Nährstoffgehalt in allen Wasserbereichen, damit nimmt die Fruchtbarkeit eines Gewässers leider zu, und Algen wachsen besser und schneller. Als Folge: schädliche Algenarten und sauerstoffzehrende Bakterien (Cyanobakterien) nehmen dann in der Regel zu. Auch Krankheiten und Parasiten freuen sich dann, aber weniger die heimische Fischarten, Tiere und Insekten. In überbesetzten Karpfenteichen, Aquakulturen, Zierteichen in Gärten sowie Parks oder kommerziellen Angelteichen ohne natürliche Uferzone mag das vielleicht gehen, weil dort eh alles schon aus dem Gleichgewicht ist oder nie wirklich so war. Behörden, Fischerei-und Angelverbände helfen da sicher weiter und können beraten oder ausbilden. Große und seriös geführte Angelvereine haben Gewässerwarte in ihren Reihen, die sich mit der Thematik beschäftigen und entsprechend fortbilden. Text: Volker Hämmerling, dieangelschule Hamburg, 2026

Quellen: Deutscher Angelfischerverband e.V. (DAFV); Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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