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Hurra, die neue Rote Liste für Hamburg ist da

4. Sept.
4 Min. Lesezeit

Es sind mittlerweile über 11 Jahre vergangen seit der letzten Aktualisierung der Roten Liste der Fische und Rundmäuler in Hamburg. Wissenschaftlich unter die Lupe genommen wurden in der neuen Auflage 72 Fisch- sowie Neunaugenarten (Rundmäuler) und dokumentiert.


Die neue Ausgabe der Roten Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs in 3. Auflage 2026. Quelle (bearbeitet): BUKEA Hamburg; Hintergrundfoto: Volker Hömmerling, dieangelschule Hamburg
Die neue Ausgabe der Roten Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs in 3. Auflage 2026. Quelle (bearbeitet): BUKEA Hamburg; Hintergrundfoto: Volker Hömmerling, dieangelschule Hamburg

Mit den Roten Listen werden alle vorkommenden Arten von Tier- oder Pflanzengruppierungen systematisch und fachlich präzise aufgelistet. Die Roten Listen gibt es auf Bundes- und Länderebene für so gut wie alles in der Natur mit ihrer Flora und Fauna. Ihre wissenschaftliche und neutrale Form ist maßgebend für viele weiterführenden Forschungsarbeiten oder Naturschutzaktivitäten. Sie können bei Beurteilungen helfen oder in Verhandlungen, selbst zu juristischen Entscheidungen, beitragen.


Die letzte Fassung der Roten Liste für Fische und Rundmäuler (Neunaugen) in Hamburg stammt aus dem Jahr 2015 (Atlas der Fische und Neunaugen Hamburgs). Seit dem ist leider viel Zeit vergangen, die Metropole Hamburg ist über die Jahre stark angewachsen, politisch und wirtschaftlich hat sich im flächenmäßig kleinen aber sehr reichen Bundesland Hamburg viel bewegt und verändert.


Ein Standardwerk für Angelnde und Institutionen

Die neue Rote Liste ist dabei nicht nur ausschließlich ein Warnzeichen für bedrohte Arten, sondern zeigt uns die Bestände zum Zeitpunkt ihrer Erfassung am besten an. Dabei kommen auch positive Entwicklungen und Wachstumsraten zum Vorschein, die ohne diesen Aufwand kaum oder gar nicht entdeckt worden wären. So haben sich einige Arten in ihrer Population wieder verbessert oder gar stabilisiert, während andere nun weiter zurückgehen oder sogar unauffindbar geworden sind.


Hervorzuheben ist die verbesserte Entwicklung beim Bachneunauge, der Hasel, der Mühlkoppe (Groppe) und der Nase in Hamburger Gewässern. Auch die Bachschmerle, das Moderlieschen und der kleine Steinbeißer sind hier im Süßwasser gut vertreten. Die Weißfischbestände, wie zum Beispiel Brassen, Güster, Rotaugen, Rotfedern und Ukelei, sind allgemein mehr als gut zu bewerten. Invasive Arten, darunter die nordamerikanische Regenbogenforelle, der eher in Südeuropa beheimatete Wels (Waller) und die schädlichen asiatischen Graskarpfen sind in Hamburgs natürlichen Gewässern so gut wie nie zu finden oder zu fangen, was man ebenfalls als sehr positiv einstufen kann. Neu hinzu gekommen ist der Wolgazander, der erst um 2012 in Niedersachsen als erstes entdeckt wurde, sowie mehr Sonnenbarsche.


Beim Aal gibt es bereits durch die EU verhängte Fangverbote an den Küsten und regionale Entnahmebegrenzungen im Binnenland. Der schlangeförmige Fisch wird fast nur noch besetzt (zugekaufte Glasaale) und kommt aus eigener Kraft kaum noch über natürlichem Wege in die Oberläufe der mitteleuropäischen Flüsse. Mit einem sogenannten Hamburger-"All-Taxi" werden die alten und geschlechtsreifen Tier aufwändig und teuer aus der Hamburger Bille mit Reusen eingefangen und anschließend in den Unterlauf der Elbe transportiert um sie zu entlassen. Ob mit solchen Methoden eine Fischart dauerhaft zu retten ist, bleibt sehr fraglich. Die Zahl der damit umgesetzten gesunden Aale pro Monat dürfte ungefähr soviel betragen, wie Aale-Dieter an seinem Räucherstand innerhalb von ein bis zwei Stunden jeden Sonntagmorgenauf dem Hamburger Fischmarkt an Besucher und Touristen verkauft.

Insgesamt wurden 72 Arten aufgelistet und betrachtet.

Stark bis sehr stark bedroht sind dagegen die Wanderfische wie die Störe, Lachse und die einst so riesigen Stintschwärme als auch die Bachforelle. Grund dafür ist eine Verbauung der Fließgewässer und Staustufen ohne ausreichende Aufstiegshilfen für die Fische. Ein weiterer Punkt ist die immense Umweltzertörung durch das Ausbaggern der Unterelbe für große Containerschiffe mit wachsendem Tiefgang aus aller Welt. Durch das Baggern wird extrem viel Sediment in der Elbe verbreitet und die Fleißgeschwindigkeit, und damit auch der Tidendruck bzw. -Hub, haben zugenommen. Beim europäischen Stör, und fast auch beim Lachs, redet man daher von ausgestorbenen Arten da diese beiden Fische zuletzt nicht mehr regulär in der Elbe und ihren Nebenflüssen nachweisbar waren. Für den Erhalt der Gewässernatur setzt man in der Hansestadt auf den Schutz der Uferzonen, der Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinien, besonders zur Regulierung und Reinigung des anfallenden Oberflächenwassers, und dem Schutz von Grünflächen. So sind in Hamburg mittlerweile 10 % der Landesfläche zu Naturschutzgebieten erklärt worden, damit dort keine Be- und Verbauung stattfinden kann. Die natürlichen Gewässerufer sind als grüne Streifen in einem Verbundsystem sehr gut vernetzt, wo keine baulichen Maßnahmen oder die landwirtschaftliche Nutzung stattfinden dürfen.


Fast jede zweite Art ist in Hamburg bereits gefährdet

Ein Handlungsbedarf bleibt sehr dringend bestehen. Der wirtschaftliche Leistungsdruck und die wachsende Besiedlung müssen mit der Natur vereinbar bleiben. Durch den Klimawandel wird es für viele Gewässer bei uns zusätzlich immer enger, womit wir bedrohten Arten mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Die Maßnahmen gehen heute nicht weit genug oder sind einfach zu langsam. Für die Überarbeitung war eine kleine Firma beauftragt worden mit Namen "Institut für angewandte Ökologie GmbH" aus Hessen mit rund 5-6 festen Mitarbeitern. Ein paar davon haben, laut Angaben auf der Internetseite, sogar einen Bootsführerschein. Die Auftragsvergabe durch Behörden geschieht meistens über ein offenes Bieterverfahren und wird dann gerne nach Sichtung der Preis- und Leistungsbeschreibung an jemanden übertragen.

Der Name des aktuellen Werks heißt "Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs", obwohl dort der Stint, Stör, Lachs, Meerforelle sowie das Meeresneunauge und die Flunder mit auftauchen - eine doch etwas freie bis irreführende Titelwahl. Das Werk wurde medienwirksam von Behörden und der amtierenden zweiten Bürgermeisterin und Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft Frau Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) präsentiert. Wie weit die Politikerin an der Ausarbeitung beteiligt war und ob sie überhaupt heimischen Fisch konsumiert, verrät sie dabei leider nicht. Zu empfehlen wäre der gesunde und nachhaltige Fisch aus heimischen Gewässern politisch betrachtet allemal. Im Vorwort lobt Frau Fegebank den ehrenamtlichen Einsatz. Wen sie damit meint, bleibt dabei ein Geheimnis. Von Hamburger Anglerinnen und Anglern bzw. deren Vereinsarbeit und -Gelder sowie der jährlichen Fischereiabgabe fehlt hier leider jedes Wort.


die Rote Liste der heimischen Fische und Neunaugen sollte allen Angelnden bekannt sein und für die Aus- und Weiterbildung in Schulen, Vereinen und Verbänden immer mit eingebunden werden. Die Kombination aus wissenschaftlichen Daten und detaillierter Beschreibungen machen die Roten Listen zu einem führenden Wissensinstrument und Nachschlagewerk. Autor: Volker Hämmerling, dieangelschule Hamburg Quellen: Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) Hamburg; Norddeutscher Rundfunk NDR; Anglerverband Hamburg e.V.

Link zur Rote Liste 2026, Rote Liste der Süßwasserfische und Rundmäuler Hamburgs (PDF):

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