Gefährliche Steine am Strand
- Volker Hämmerling

- 1. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Wer am Strand oder in der Brandung angeln geht, nimmt früher oder später auch das Strandgut und den Spülsaum unter die Lupe. Und wenn man sich länger am Wellensaum aufhält, mit oder ohne Angelgerät, liegt die Suche nach einem Bernstein natürlich nahe.

Viele Bernsteine fand ich ganz nebenbei auf Strandspaziergängen oder eben beim Angeln, wenn ich, mit der Wathose an und der leichten Spinnausrüstung ausgestattet, an der Wasserkante entlang lief und dabei den Spülsaum betrachtete. Häufig leuchten die kleinen nassen Steinchen dann im Sonnenlicht und lassen sich von anderen Steinchen, Pflanzenresten und sonstigem Strandgut sehr leicht identifizieren.
Aber besondere Vorsicht ist geboten, da in unsern Meeren leider auch sehr viel herumschwimmt, was dort eigentlich nicht hingehört. Darunter sind viele Bruchstücke von Plastikmaterial oder auch zerbrochenem alten Glas, das ebenfalls in den Saum gespült wird und nach Bernstein wirkt. Und mancherorts zunehmend auch der gefährliche weiße Phosphor, der aus versenkten Brandbomben (Phosphor-Brandbomben) des Ersten und des Zweiten Weltkrieges stammt sowie aus Munitionsresten der Marine bzw. ihrer untergegangenen Schiffe.
Waffen wurden nach den Kriegen in den Meeren einfach versenkt
Ganz nach dem Motto, was wir nicht mehr sehen, ist nicht da und kann uns nicht mehr schaden. Heute liegen tickende Zeitbomben am Grund von Nord- und Ostsee. Die alten Sprengkörper und -Köpfe von damals liegen am Grund der Meere und rosten seitdem vor sich hin. In vielen Fällen haben sich die schädlichen Inhalte schon verteilt und kommen nun an den Stränden an. Giftiger Sprengstoff und Brandsätze bedrohen Flora und Fauna unserer Meere, ganze Küsten und natürlich uns alle. Der weiße Phosphor sollte im Krieg die bombadierten Gebäude von alleine in Brand setzen. Dieser besondere weiße Phosphor entzündet sich bereits ab Temperaturen von über 20 Grad Celsius an der reinen Luft, da er im trockenen Zustand mit dem Sauerstoff sofort reagiert. Die oxidative Reaktion der Chemikalie kommt ohne fremde Hilfe aus und erreicht dann Temperaturen von 1300 Grad Celsius. Wer dies an oder auf der Haut erlebt, erfährt hochgradige Verbrennungen. Unter Wasser ist weißer Phoshor abgeschirmt und vor der eigenen Entzündung sicher, solange kein Sauerstoff aus der Luft in seine Nähe kommt. Sobald er aber am Strand oder später im Auto oder der Wohnung trocknet, fängt dieser früher oder später von allein Feuer. Bei Fundstücken ist die Verwechslung mit Bernstein, Kunststoffen oder Glas sehr groß und kann von Laien häufig kaum erkannt werden.
Immer wieder kommt es zu Unfällen mit schweren Brandverletzungen
Besonders an der Ostseeküste wurde in den vergangen Jahren sehr viel von diesem Phosphor entdeckt. Daher sollte jeder, der auf Bernsteinsuche geht, diesen in einem festen, geschlossenem Gefäß und mit ausreichend Wasser transportieren. Ebenso ist eine Lagerung am Körper, zum Beispiel der Jacken- oder Hosentasche, wegen der schnelleren Erwärmung und Unfallgefahr, nicht zu empfehlen.
Die Phosphorstücke sind an der Oberfläche eher schmierig und weich. Zur Trocknung und Test können die Stücke an der frischen Luft auf einer feuerfesten Unterlage getrocknet werden. Sollte es anfangen zu rauchen oder sogar glimmen, ist die Sache eindeutig. Bei größeren Funden am Strand, sollte besser die örtliche Polizei oder Feuerwehr informiert werden für eine sichere Bergung des Materials.
Ob es sich um Bernstein handelt oder nicht, zeigt sich am Licht
Die fluoreszierende Eigenschaft von Bernstein kann bei der Suche helfen und die Identifikation stützen. Denn das wertvolle versteinerte Harzmaterial leuchtet unter dem Licht einer UV-Lampe gelblich bis blau-grün. Erfahrene Sammlerinnen und fleißige Sammler gehen daher gern bei Dunkelheit am Spülsaum entlang und nehmen auf ihren Entdeckungstouren eine kleine UV-Lampe, im Taschenlampenformat, zur Hilfe.

Die Dichte des Bernstein liegt bei etwa 1,08 g/cm3 und die des Phosphor bei 1,83 g/cm3, dadurch schwimmt Bernstein in einer hohen Salzlösung auf, während der schwere Phoshor am Grund liegen bleibt. Da Bernstein vor millionen von Jahren aus Baumharz entstand, kann er ebenfalls gut brennen. Der Phosphor ist allerdings hochreaktiv und kann im Brandfall mit reinem Wasser nicht wieder gelöscht werden.
Viel Glück und Sicherheit bei der Suche!
Autor: Volker Hämmerling, dieangelschule 2026
Quelle: Umweltbundesamt; GEO Wissen, G+J Medien GmbH




Kommentare